Ausgelöst durch Bauernproteste vor seinem Bürofenster bei der Europäischen Kommission in Brüssel trifft der EU-Beamte Franz Fiala die Entscheidung, vorzeitig in Pension zu gehen. Was er Lebensentscheidung nennt, bekommt kurz darauf eine weitere Dimension, als er von seiner schweren Krebserkrankung erfährt.
Beides – Kündigung und Erkrankung – kann er weder seiner Partnerin in Brüssel noch seiner alten Mutter in Wien offenbaren. Pendelnd zwischen Brüssel und Wien, unternimmt er immer wieder Anläufe zu berichten. Auch seine tödliche Krankheit spart er aus, täuscht vielmehr seine Mutter bezüglich der neuen Wahrheiten.
In dieser Gemengelage geraten die Beziehungen zu seiner Mutter und seiner Partnerin unter Spannung. Lebensziel von Fiala ist nun, die eigene Krankheit bis zum scheinbar absehbaren Tod der Mutter zu verheimlichen. Trotz dieser täuschenden Konstellation entwickeln beide eine Nähe, die sie wieder eng aneinander bindet und viele gemeinsame Erinnerungen wachruft.
Die Novelle nimmt die Lesenden mit auf eine bewegende Reise über den Umgang mit Krankheit, durch beruflichen Aufstieg und Ausstieg, ja durch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von Mutter und Sohn.
Robert Menasse (*1954), der leidenschaftliche Bekenner der europäischen Idee, liefert nach »Die Hauptstadt« (2017) und »Die Erweiterung« (2022) keinen dritten Roman über europäische Zustände. Vielmehr erzählt die Novelle einfühlsam die Lebensgeschichte eines todkranken österreichischen EU-Beamten. Und zugleich scheint durchgängig dessen Enttäuschung über den scheiternden Glauben an ein gemeinsames Europa auf.
Moderation: Dr. Udo Witthaus
Musik: Thomas Schweitzer, Saxophon
Ort: Literaturbühne | EG
Eintritt: 15 € | Ermäßigt 10 € | Live-Stream 7 €
Der Einlass und die Abendkasse (falls noch Tickets verfügbar sind) beginnen um 19.30 Uhr.
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